Filme 2016

  • Arlette – Mut ist ein Muskel

    Schweiz, Deutschland 2015, 84 Min.

    Regie: Florian Hoffmann
    Kamera: Katharina Diessner, Matilda Mester
    Schnitt: Sven Kulik

    Das erste Bild stammt aus einem anderen Film: Ein Mädchen, das Bein von einer Schusswunde versehrt, windet sich weinend im Schmerz, ihr Blick schweift umher, geht ins Leere. Florian Hoffmann, der an diesem vorhergehenden Film – Carte Blanche seiner Mutter Heidi Specogna mitgearbeitet hatte, greift diesen Blick auf. Arlette reist von der zentralafrikanischen

  • Battles

    Belgien, Niederlande 2015, 88 Min., OmeU
    Regie: Isabelle Tollenaere
    Kamera: Frédéric Noirhomme
    Schnitt: Nico Leunen

    Bomben aus dem letzten Jahrhundert werden von der Belgischen Armee in hochkontrolliertem Umfeld zur Explosion gebracht. Albanische Bauern nutzen einen Bunker als Kuhstall. In Litauen können Tourist*innen den Krieg als ausgedehntes Abenteuerspiel erproben. Russische Näherinnen verdingen sich mit der Herstellung aufblasbarer Zielobjekte für militärische Übungen. In vier bildintensiv, in kontemplativer Ruhe eingefangenen Kapiteln spürt Isabelle Tollenaere dem Nachleben vergangener

  • David

    Deutschland 2016, 81 Min.

    Regie, Kamera: Sabine Herpich
    Schnitt: Maja Tennstedt

    Von Montag bis Samstag und oft auch noch sonntags arbeitet David in seiner Werkstatt. Sobald eine Skulptur soweit fertig ist, dass man sie in Bronze gießen kann, beginnt er eine neue, weil er diese Arbeit liebt. Der vordere Raum der Werkstatt ist deshalb ganz angefüllt mit Skultpuren. Eine große Schleifmaschine für Schuhe engt den hinteren Raum ein, dort stellt David selbstentworfene Schuhe her und verdient damit das nötige Geld

  • Die Geträumten

    Österreich 2016, 89 Min.

    Mit: Laurence Rupp, Anja Plaschg
    Buch: Ina Hartwig, Ruth Beckermann
    Regie: Ruth Beckermann
    Kamera: Johannes Hammel
    Schnitt: Dieter Pichler

    Eine Darstellerin und ein Darsteller bei der Arbeit: Sie lesen Briefe in einem Tonstudio, probieren Sätze aus, probieren Rollen an, unterhalten sich über die Figuren und Texte, erzählen von sich selbst, essen in der Kantine, rauchen im Hof und albern rum. Das ist die erste Paarung, Anja Plaschg (die sich als Musikerin

  • Eva

    Deutschland 2015, 85 Min.

    Regie, Kamera
    Schnitt: Melanie Jilg

    Eva ist unterwegs durch Landstriche deutscher Provinz, an ihrer Seite ein Ochse namens Lothar und ein Hund namens Piz. Sie ziehen mit einem Karren über Straßen, Wege und Felder, machen Halt und fragen nach dem Weg. In der Nacht wandert der Mond über den Himmel, Traumbilder schieben sich in die Wahrnehmung. Arbeit in der Landwirtschaft, Anstrengung, Ruhe und Erschöpfung. Bilder, hypnotisch und irrtierend, festgehalten und losgelassen, aufgelesen am

  • Homo Sapiens

    Österreich 2016, 94 Min., ohne Dialog

    Regie, Kamera: Nikolaus Geyrhalter
    Schnitt: Michael Palm

    Es dauert eine Weile bis sich der Verstand zurechtfindet, in dem was das Auge vorfindet. Einkaufszentren, bei denen sich die Grenze von innen und außen auflöst, Wohnkomplexe, die unbewohnbar geworden sind, eine Achterbahn, halb versunken im Meer, Gotteshäuser die zum Himmel offenstehen, und nirgends ein Mensch. HOMO SAPIENS präsentiert in langsamen, sorgfältigen Tableaus Stätten des Verfalls, Orte, die zu ganz unterschiedlichen Zwecken

  • Hotline

    Israel, Frankreich 2015, 99 Min., OmeU
    Regie, Kamera: Silvina Landsmann
    Schnitt: Silvina Landsmann, Gil Schnaiderovich

    Mit ruhig vorgetragenen Argumenten versucht eine Frau einer aufgebrachten Anwohner*innen-Versammlung entgegenzutreten, soziale Ängste, Ressentiments und Vorwürfe fliegen durch den Saal. Die Frau gehört zu Hotline, eine kleine, vorwiegend von Frauen betriebene NGO, die sich in der israelischen Flüchtlingspolitik engagiert. Sie fungiert zum einen als Anlaufstelle für, zumeist aus Afrika kommenden, Menschen ohne Papiere, die über die Sinai Grenze Israel erreichen und denen nach israelischem Recht,

  • Lampedusa im Winter

    Österreich, Italien, Schweiz 2015, 93 Min.

    Regie: Jakob Brossmann
    Kamera: Serafin Spitzer, Christian Flatzek
    Schnitt: Nela Märki

    20 km2 im Mittelmeer, von 6000 Leuten bewohnt, 113 Kilometer von der tunesischen Küste entfernt: Die Insel Lampedusa ist der äußerste Vorposten der Festung Europa und seit 20 Jahren periodisch im Brennpunkt der medialen Aufmerksamkeit für die humanitären Desaster des europäischen Migrationsregimes. Nach einem weiteren Herbst der Katastrophen mit unzähligen auf der

  • Miete essen Seele auf

    Deutschland 2015, 65 Min.

    Regie: Angelika Levi, Christoph Dreher
    Kamera: Antje Peters
    Schnitt: Angelika Levi

    In einer frühsommerlichen Nacht 2012 bauen Leute, die in Sozialwohnungen ums Kottbusser Tor wohnen eine Hütte. Sie nennen das Haus „Gecekondu“, ein türkischer Begriff für informelle Siedlungen, wörtlich in etwa „nachts hingestellt“. Das Gebäude wird zu einem Treff- und Kristallisationspunkt von Debatten und Aktionen, die die politischen Dimensionen gegenwärtiger Urbanität ausloten: Gentrifizierung und Verdrängung, Wohnen zwischen sozialem Raum und Investmentobjekt,

  • No Home Movie

    Frankreich, Belgien 2015, 115 Min., OmeU

    Regie, Kamera: Chantal Akerman
    Schnitt: Claire Atherton

    Es wäre einfach, Chantal Akermans Film (ihren letzten) zu beschreiben als Film über die Beziehung zu ihrer alten, erkrankten Mutter Natalia, überwiegend aus Gesprächen montiert, die die beiden geführt haben, zu Hause und über Skype. Einfach ist aber nichts an ihm. Er fordert heraus in seinen Bildern, deren einfache Consumer-Kamera Ästhetik nicht lange über ihre Komplexität hinwegtäuscht; in scheinbar lose eingebunden

  • Rudolf Thome – Überall Blumen

    Deutsch­land 2016, 84 Min., Farbe
    Regie: Ser­pil Tur­han
    Buch: Ser­pil Tur­han, Eva Hart­mann
    Kamera: Ser­pil Tur­han
    Schnitt: Eva Hart­mann

    Hanns Zisch­ler, Bruno Ganz, Han­ne­lore Els­ner, Han­nah Herz­sprung – sie alle haben sich in den Fil­men von Rudolf Thome die Zähne geputzt – denn, so Thome: Jeder putzt sie sich anders und das sei doch lus­tig. Jetzt steht Thome selbst vor dem Bade­zim­mer­spie­gel bzw. vor der Kamera, dahin­ter und im Off zu hören ist Ser­pil Tur­han, die ihrer­seits in Tho­mes Fil­men

  • Starless Dreams

    Iran 2016, 76 Min., OmeU

    Regie: Mehrdad Oskouei
    Kamera: Mohammad Hadadi
    Schnitt: Amir Adibparvar

    Die iranische Institution, von deren Umgebung man nur die bewaffneten Staatsdiener zu sehen bekommt, nennt sich „Zentrum für Korrektur und Rehabilitation.“ Drinnen: Junge Frauen, denen vorgeworfen wird, gegen Gesetzte verstoßen zu haben: Drogen-Handel und Konsum, Landstreicherei, Diebstahl und Körperverletzung, auch Totschlag. Drinnen: Mädchen, nachdenklich und aufgeregt im Gespräch, in Freundschaft und in Streit, auf der Suche nach einem Zuhause, in

  • Wenn man sie bedauert, können sie schlecht sterben

    Deutschland 2015, 70 Min.

    Regie: Friederike Güssefeld

    Schnitt: Sven Heußner
    Kamera: Tim Kuhn

    Es wird viel gestorben, auffällig viel, in dem kleinen Dorf in der Brandenburgischen Provinz: Elf mal, in den letzten paar Jahren, Unglücksfälle und Selbstmorde, tragische, mysteriöse, suspekte und groteske. Achtsam gerahmte Portraits und Gespräche mit denen, die dageblieben sind und dort leben, zu Hause, in Küchen und Wohnzimmern, Gartenlauben und Bastelgaragen. Man erzählt von Vorfällen und Begebenheiten, man macht sich seine Gedanken,

  • White Coal

    Österreich 2015, 70 Min., OmeU

    Regie: Georg Tiller
    Kamera: Claudio Pfeifer
    Schnitt: Viktor Hoffmann

    Zwei Bilder zu Beginn: Eine Kranschaufel schüttet Kohle auf, schwarze Staubwolken schieben sich vor die Wolken, füllen langsam die Leinwand. Dann, die Statue einer Arbeiterfigur, leicht gebeugt, auf die Arme gestützt. Zwei Erzählungen um einen Gegenstand: Die Geschichte eines blinden Passagiers auf einem polnischen Kohle-Schlepper, die Motive aus Hermann Melvilles Maskeraden, oder Vertrauen gegen Vertrauen (The Confidence Man) aufnimmt, und eine