No Home Movie

Frankreich, Belgien 2015, 115 Min., OmeU

Regie, Kamera: Chantal Akerman
Schnitt: Claire Atherton

Es wäre einfach, Chantal Akermans Film (ihren letzten) zu beschreiben als Film über die Beziehung zu ihrer alten, erkrankten Mutter Natalia, überwiegend aus Gesprächen montiert, die die beiden geführt haben, zu Hause und über Skype. Einfach ist aber nichts an ihm. Er fordert heraus in seinen Bildern, deren einfache Consumer-Kamera Ästhetik nicht lange über ihre Komplexität hinwegtäuscht; in scheinbar lose eingebunden Landschaftsbildern, die insistieren genau betrachtet zu werden; in Küchen-Gesprächen um Gott und die Welt, in denen es doch um Leben und Tod geht; in einer Konzentration, die klaustrophobisch werden kann; in thematischen und formalen Bezügen, die sich auf Akermans ganzes Werk beziehen lassen. NO HOME MOVIE heißt der Film. Man liest den Titel zunächst als Spiel mit den Erwartungshaltungen gegenüber Home Movies, dann wird klar, dass das, was zwischen der feministischen Filmemacherin und der aus Polen stammenden Jüdin, die Auschwitz überlebt hat, zur Sprache kommt, bei aller Konkretheit und Individualität keinesfalls in schlicht Persönlichem aufgeht. Am Ende wird es ein Film gewesen sein, über das Nicht-Zuhause-Sein, in einem ganz existentiellen Sinn.

□ Sa., 3.9., 20.00   fsk Kino
□ So., 4.9., 20.00.  Sputnik Kino

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