Unsere Dokfilmwoche, die insgesamt sechsmal jeweils Ende August stattfand, ist vorerst Geschichte. Sie wurde von uns überarbeitet, zerstückelt und neu zusammengesetzt.
Herausgekommen ist Dok-Termin- 12 besondere Dokumentarfilme verteilen sich aufs Jahr. Jedes Werk wird zweimal zu sehen sein, im fsk-Kino und in einem weiteren Kino der Indiekino-Gruppe. Gespräche mit den Macher*innen, Diskussionen, Einführungen und was sich sonst zur Unterstützung oder Weiterführung anbietet, ergänzen die Veranstaltungen.

Das Programm ist nicht auf bestimmte Themen, Formen oder Inhalte ausgerichtet.

Die geplanten Filme lassen Zusammenhänge in neuem Licht erscheinen. Die gesamte Haltung, wie Empathie und Umgang mit Protagonist*innen, der gewählte Blickwinkel entscheiden über ihre Relevanz. Wir freuen uns über Angebote zum Dialog, oder die Einladung, beim Zuschauen eigene Bilder zu formen sowie über die essayistische Annäherung an ein Thema.

Besondere und individuelle Geschichten, die unaufdringlich auf einen komplexen äußeren Kosmos

weisen, sind gefragt, aber in der Umkehrung auch eine freie und weite Erzählung, in der sich der/die Einzelne wiederfindet. Die Filme gehen vom Großen, Weiten ins Detail und lassen vom Persönlichen, engen Rahmen aufs Allgemeine schließen, regional wie weltweit.

Hier die nächsten Termine:

18.+19.9.:

#5 THE LAST AUTUMN von Yrsa Roca Fannberg

An die isländische Landgemeinde Árneshreppur hat die Filmemacherin ganz offensichtlich ihr Herz verloren. Vielleicht, weil sich hier einfach alles verliert: die Unterscheidbarkeit von Himmel, Wasser und Erde, der Blick, der Mensch sowieso. Aber immer mehr Bewohner beschließen zu gehen, wie etwa der Landwirt Úlfar und seine Frau Oddný. Die Eheleute hatten zu Drehbeginn längst beschlossen, der geliebten, aber spröden Landschaft den Rücken zu kehren.

Wir zeigen von der Künstlerin und Regisseurin YRSA ROCA FANNBERG nicht nur diesen Film, sondern im Foyer auch eine Fotoserie.

2. + 3.10.:

#6 GRENZLAND EINE REISE (1992) & GRENZLAND (2020) von Andreas Voigt

1991, 2019. Zwei Mal, im Abstand von fast drei Jahrzehnten, hat Andreas Voigt eine Reise entlang Oder und Neiße gemacht, diesseits und jenseits der Deutsch-Polnischen Grenze. Einige der Menschen die ihm in der Wendezeit begegnen trifft er auch beim zweiten Mal, aber auch jenseits dieser Wiederbegegnungen bildet sich Geschichte ab, in der Veränderung der Landschaft, im Wandel der Städte und Dörfer, in den fortwirkenden Spuren die der Krieg hinterlassen hat. Portraits von Menschen, und ihrem Umgang mit dem was trennt. Von Leuten, die als Soldaten gekommen sind und anderen, die zum Überqueren der Grenze gezwungen wurde. Die, die’s später aus freien Stücken tun konnten, in beide Richtungen. Jene, die die verschwimmenden Grenzen fester ziehen wollen. Und die, die jetzt noch über andere Grenzen gekommen sind, aus Syrien, oder Australien.

Manchmal ist die Grenze zu sehen, oder das was man dafür hält: Zollbauten auf Autostraße, und der Fluss. Was Voigts Film so besonders macht, ist wie es ihm gelingt ein vieldimensionalen Bild davon zu zeichnen, was Grenzen – und diese im speziellen bedeuten – und wie sie sich wandeln, in ihren sichtbaren und unsichtbaren Dimensionen.

23. & 24.10.:

#7 City Hall von Frederick Wiseman

Der inzwischen 91-jährige Frederick Wiseman ist mit seinen über 40 Dokumentarfilmen selbst eine Institution, gerade wurde er in Cannes für sein Lebenswerk geehrt. Passend dazu sind seine Arbeiten oft genaue Innensichten bekannter Kultur-Institutionen, wie zuletzt der New Yorker Public Library und dem Nachtclub Crazy Horse, der National Gallery in London, der Pariser Oper. Zuvor hatte Wiseman sich immer gerne auch die administrative Bereiche vorgenommen, wie Justizsystem, Universitäten oder Militär. Bei CITY HALL gehen wir gleich mit in den ganzen Komplex einer Stadtverwaltung, der seiner Geburtsstadt Boston.
Diskussionen über die Quartiersentwicklung, Armutsbekämpfung und Rassismus, die Städtische Telefon-Hotline, Einbeziehung der Bürger in kommunale Aufgaben, Essenstafeln und Obdachlosenhilfe – diese und weit mehr soziale Projekte und Betreuungsbereiche stehen auf dem Programm der Stadtverwaltung Bostons, und besonders auch des damals amtierenden Bürgermeisters Marty Walsh. Polizeiarbeit und Feuerwehreinsätze, Veteranentreffen, Eheschließung, Stadt- und Wirtschaftsplanung, Sportereignissen, Empfänge, Eröffnungen, Pressekonferenzen und allgemeiner Verwaltungsaufwand, die ganzen administrativen Aufgaben, die der Film in gut vier Stunden vorführt, will ich gar nicht aufzählen.
Über unzählige persönliche Schicksale wird hier entschieden, und wir sind mittendrin. CITY HALL ist ein Portrait der gesamten Stadt Boston, das der Regisseur in bekannt spannender und eindringlichen Art präsentiert, wo dann selbst Abwasser- und Abfallentsorgung zum Ereignis werden.

 

Flyer 1-3 (pdf)

DokTermin wird realisiert mit Unterstützung aus Mitteln der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa