Sühnhaus

Gespenster sind eine der genuinen Formen, in der das Kino von Geschichte spricht. Hier beginnt es mit einer verfluchten Adresse: Wien, Schottenring 7. Heute findet sich an der Stelle der nüchterne Bau der Landespolizeidirektion. Im 19. Jahrhundert stand dort das Wiener Ringtheater, das in einer Dezembernacht 1881 niederbrannte, um die 400 Menschen kamen dabei ums Leben. Ein Sühnhaus ließ der Kaiser daraufhin an seiner Stelle errichten, ein Haus, das dem Guten gewidmet war und eine Schuld begleichen sollte, aber etwa dem Dr. Freud, der dort eine Zeit lang wohnte, kein Glück brachte. Die Filmkritikerin Maya McKechneay folgt in ihrem Debutfilm, in dem sich ihre rätselnde und raisonierende Stimme immer wieder zu Wort meldet, und ihre Hände Archivfunde befühlen und ins Bild bringen, den Spuren zahlreicher Materialisierungen unbefriedeter Vergangenheiten durch Ort und Zeit. Sie findet dabei eine Spur durch eine weit aufgefächerte politische Kulturgeschichte, die von Herrschaft und Technik erzählt, von dem Zusammenfügen von Momenten in eine Form, die Sinn zu haben scheint, und nicht zuletzt von den Möglichkeiten des Kinos, in der Asche zu lesen, von dem was war und dem was kommen könnte.

Österreich 2016, 95 Min.
Regie: Maya McKechneay
Kamera: Martin Putz
Schnitt: Oliver Neumann

□ So., 2.9., 16.00 fsk Kino (zu Gast: Maya McKechneay)
□ Mo., 3.9., 20.00 Sputnik Kino