Gwendolyn

Gwendolyn ist von zarter Gestalt, Mitte 60 und wiegt etwas über 50 Kilo. Ihr klar gezeichnetes Gesicht ist ausdrucksstark, eine halbseitige Starrheit tut dem keinen Abbruch. Eine Folge, das wird später klar, einer Krebserkrankung, die noch nicht restlos überwunden ist. Gwendolyn ist Anthrolopolgin, Assyriologin, um genau zu sein. Wir begegnen ihr jedoch in einem Gewichthebeclub in einem Londoner Arbeiterklassenviertel. Den Sport hat sie mit 50 begonnen und es darin zu internationalen Erfolgen gebracht. Mit ihrem stoisch ermunternden, herzlichen Trainer Pat trainiert sie dort, will nach dem Einschnitt der Erkrankung wieder zu Wettkämpfen zurückkehren. Der Film beobachtet sie dabei, bei den Übungen, die nach exakten Bewegungen und Griffen mehr verlangen als nach schierer Kraft, bei ruhigen Momenten mit ihrem jüngeren Mann, im Gespräch mit ihrem Sohn. Gwendolyn ist Ruth Kasserers filmisches Portrait einer beeindruckenden Frau, das sich von seiner Protagonistin eine Haltung ruhiger, bestimmter Klarheit leiht, von resilienter Stärke und einem leisen, unbeugsamem Humor.

Österreich 2017, 85min, engl, port. OmU
Regie: Ruth Kaaserer
Kamera: Serafin Spitzer
Schnitt: Joana Scrinzi

□ Sa., 1.9. 18:00 Sputnik Kino
□ So., 2.9., 20.00 fsk Kino